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Dr. Benedikt Wünsche über die bilanziellen Auswirkungen des "Abgasskandals" bei Volkswagen
Freitag, 12. Februar 2016

Der folgende Artikel ist ursprünglich im Wirtschaftsmagazin BILANZ erschienen:

Wohin fährst Du, Volkswagen?

Die Auswirkungen des Abgasskandals sind noch immer nicht absehbar. Nach dem letztjährigen Rüffel des Abschlussprüfers verschiebt Volkswagen nun die Aufstellung des Jahresabschlusses.

Es sind Zeiten voller Ungewissheit beim Wolfsburger Autokonzern. Dass der Abgasskandal nicht innerhalb kurzer Zeit vom Tisch sein würde, damit war zu rechnen. Nun schleicht sich allerdings immer mehr das Gefühl ein, dass die bilanziellen und finanziellen Auswirkungen der hausgemachten Verfehlungen selbst die Entscheidungsträger in Wolfsburg vor Rätsel stellen.

Bislang gebildete Rückstellungen decken nur kurzfristige Maßnahmen ab

Nach Bekanntwerden des Skandals wurden im Konzernzwischenabschluss zum 30. September 2015 „(e)rste außergewöhnliche Belastungen aus der Dieselthematik“ in Höhe von 6,7 Mrd. Euro als Risikovorsorge zurückgestellt. Bereits die unbestimmte Formulierung „erste“ Belastungen lässt aufhorchen. Denn die überwiegend als Kosten der Umsatzerlöse gebuchten 6,7 Mrd. Euro wurden primär zur Abdeckung der anstehenden Maßnahmen – im Wesentlichen zur (kurzfristigen) technischen Nachbesserung der betroffenen Fahrzeuge – bilanziell erfasst. Keineswegs sind damit die Gesamtaufwendungen aus dem Abgasskandal abgedeckt.

Rechtsrisiken machen den Löwenanteil aus

Den Löwenanteil der Gesamtaufwendungen machen nämlich die aus den sogenannten Rechtsrisiken resultierenden möglichen Strafzahlungen aus sowie die Zahlungen für Schadenersatz und Rechtsanwälte. Ende Oktober 2015 sah sich die Konzernleitung der Wolfsburger außer Stande, diese Rechtsrisiken verlässlich zu bewerten. Mit der Begründung der „mangelnden Bewertbarkeit“ wurden für diese Rechtsrisiken in der Folge im Konzernzwischenabschluss zum 30. September 2015 keine Rückstellungen gebildet. Die Berichtleser wurden statt konkreter Zahlen mit der unbefriedigenden – da unbestimmten und wenig aussagekräftigen – Angabe abgespeist, die Konkretisierung der Rechtsrisiken könne „zu erheblichen finanziellen Belastungen führen“.

Durch den Abschlussprüfer „abgewatscht“

Die Antwort des Abschlussprüfers des Unternehmens, PricewaterhouseCoopers, fiel entsprechend deutlich aus. So konnte der Abschlussprüfer nicht feststellen, ob die Beurteilung der Rückstellungen für diesen Sachverhalt „möglicherweise hätte anders ausfallen müssen“. Im Prüferdeutsch ist diese Formulierung wohl mit einer saftigen Ohrfeige gleichzusetzen. Mit Spannung wird nun der Bestätigungsvermerk von PricewaterhouseCoopers für das komplette VW-Geschäftsjahr 2015 erwartet. Denn ein eingeschränkter Bestätigungsvermerk wäre für den Automobilbauer mit drastischen Folgen verbunden.

Februar 2016: Aufstellung des Jahresabschlusses verschoben

Im Februar 2016 scheint man in der Wolfsburger Konzernzentrale nicht wirklich schlauer zu sein, was die Konkretisierung bzw. die Quantifizierung der erwarteten finanziellen Gesamtbelastung aus dem Abgasskandal anbelangt. So wurden unlängst die Aufstellung des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2015 sowie die Bilanzpressekonferenz und die Hauptversammlung verschoben. Man darf gespannt sein, wie Volkswagen seine Aktionäre und die interessierte Öffentlichkeit im Geschäftsbericht 2015 über den Abgasskandal informieren wird und ob hierzu im Jahres- bzw. Konzernabschluss 2015 endlich belastbare Zahlen veröffentlicht werden.

Finanzielle Folgen nach wie vor nicht abschätzbar

Analysten spekulieren über eine mögliche finanzielle Gesamtbelastung aus dem Abgasskandal von bis zu 100 Mrd. Euro. Eine Zahlung in dieser Größenordnung würde zweifellos sogar den Autogiganten Volkswagen schwer treffen. Auch wenn der Fortbestand des Unternehmens wohl nicht gefährdet scheint, so sind Prognosen über die künftige finanzielle Lage von Volkswagen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur schwerlich abschätzbar, noch nicht einmal für die Wolfsburger Unternehmensleitung. Es gilt das abgewandelte Motto: Auf hoher See und vor (amerikanischen) Gerichten ist man in Gottes Hand.

 

 

 

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