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Dr. Benedikt Wünsche über "gute Finanzberichterstattung" und die Ergebnisse des Wettbewerbs "Der beste Geschäftsbericht 2015"
Montag, 21. Dezember 2015

Der folgende Artikel ist ursprünglich im Wirtschaftsmagazin BILANZ erschienen:

Warum gute Finanzberichterstattung keine Selbstverständlichkeit ist

Wer informiert seine Aktionäre am besten und aus welchen Gründen? – Eine Bestandsaufnahme des Geschäftsberichts als „Phänomen der Praxis“

Der Geschäftsbericht ist DAS Referenzdokument sämtlicher an einem Unternehmen interessierter Parteien. Denn bei ihren (Investitions-)Entscheidungen stehen nicht allen Share- und Stakeholdern dieselben Möglichkeiten der Informationsbeschaffung zur Verfügung. Während professionelle Finanzakteure ihren Informationsbedarf oftmals direkt in One-on-Ones mit dem Vorstand decken, bleibt Kleinaktionären, Lieferanten, Kunden oder der interessierten Öffentlichkeit diese Möglichkeit verwehrt. Für diese Adressatengruppen stellt der frei zugängliche Geschäftsbericht regelmäßig das einzige Medium dar, um sich einen umfassenden Überblick über die derzeitige und die prognostizierte künftige wirtschaftliche Lage des publizierenden Unternehmens zu verschaffen.

Der Inhalt des Geschäftsberichts: Mehr Pflicht als Kür?

Nun könnte man annehmen, dass die inhaltliche Ausgestaltung des Geschäftsberichts mehr Pflicht als Kür wäre, sozusagen das Abhaken einer mit lästigen Angabepflichten gespickten Checkliste. Diese – fälschliche – Annahme ließe sich noch dadurch untermauern, dass der Konzernlagebericht und der Konzernanhang als wesentliche Bestandteile des Geschäftsberichts durch den Abschlussprüfer geprüft worden sind. Wie ist es vor diesem Hintergrund zu erklären, dass die Finanzberichterstattung börsennotierter Unternehmen qualitativ wie quantitativ in hohem Maße heterogen ausfällt, wenn doch der Inhalt des Geschäftsberichts vermeintlich konkret geregelt ist?

„Schwammige“ Normen und fehlender Informationswille

Der Grund für „gute“ und „schlechte“ Finanzberichterstattung liegt zum einen in den Gesetzen und Standards, die von den Unternehmen bei ihrer Finanzberichterstattung befolgt werden müssen. Denn diese Normen – vor allem § 315 HGB und der Deutsche Rechnungslegungs Standard (DRS) 20 für den Konzernlagebericht sowie die International Financial Reporting Standards (IFRS) für den Konzernanhang – gewähren den Unternehmen derart große Auslegungs- und Ermessensspielräume, dass die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten für den Inhalt des Geschäftsberichts erheblich sind. Zum anderen hängt die Güte der Finanzberichterstattung von der firmenpolitisch konstituierten Informationsbereitschaft des Unternehmens ab, freiwillige und hinreichend präzise Angaben zu veröffentlichen.

Viel Spreu, wenig Weizen…

Ein Beispiel: Im Konzernlagebericht werden in der Regel Angaben zur künftigen Umsatzentwicklung veröffentlicht. Viele Unternehmen beschränken sich dabei darauf, die durch DRS 20 vorgegebenen Mindestanforderungen zu erfüllen. Wenn ein Unternehmen nun im Geschäftsbericht die qualitativ-komparative Prognose publiziert, dass es für das kommende Geschäftsjahr von einem „leicht steigenden“ Konzernumsatz ausgeht, so mag diese Angabe rein rechtlich nicht zu beanstanden sein (und im Übrigen den Abschlussprüfer erfreuen, weil sie vergleichsweise einfach plausibilisiert werden kann). Aus der Sicht der Berichtleser ist eine solche wenig aussagekräftige Prognose indes unbefriedigend. Dies gilt umso mehr, als viele Geschäftsberichte erst im April oder Mai des Folgejahres veröffentlicht werden. Wenn also die Information, dass der voraussichtliche Konzernumsatz 2015 „leicht steigen“ soll, erst mit Veröffentlichung des 2014er-Geschäftsberichts im Mai 2015 bekannt wird, ist der Informationsgehalt für die Berichtleser entsprechend gering.

Wie und dass dieses Berichtskriterium objektiv und eindeutig besser erfüllt werden kann, zeigt bspw. der Gesamtsieger im Wettbewerb „Der beste Geschäftsbericht 2015“. Neben ausführlich erläuterten konzern- und segmentspezifischen Umsatzprognosen für die nächsten beiden Geschäftsjahre ist diese Gesellschaft auch mutig genug, einen mittelfristigen Umsatzausblick bis zum Geschäftsjahr 2018 zu geben.

Mut, Offenheit und Präzision

Überhaupt ist Mut ein Eckpfeiler guter Berichterstattung. Sich an seinen eigenen Aussagen und Prognosen messen lassen zu müssen, erfordert Mut und schreckt viele Unternehmen davon ab, klar und präzise zu berichten. Diesen Unternehmen ist entgegenzuhalten, dass eine ebensolche Finanzberichterstattung Vertrauen bei den Berichtlesern erzeugt und das Gefühl, dass das berichterstattende Unternehmen nicht im Blindflug unterwegs ist, sondern eine genaue Vorstellung und Strategie hat. Und wer vertraut schon gerne einem Unternehmen, das mehr verschweigt als offenlegt, die eigene Lage verschleiert und den Eindruck vermittelt, keine Vorstellung von der Zukunft zu haben?

 

 

 

 

 

 

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